Republikaner veröffentlichen Faucis Tagebücher
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FAZ
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Analyse zu: Artikel von Sofia Dreisbach auf faz.net |
Nicht Fauci gegen Paul, sondern Herrschaft gegen Öffentlichkeit
Der Konflikt zwischen Anthony Fauci und Rand Paul wird als Duell zwischen Wissenschaft und Verschwörung, zwischen aufgeklärter Vernunft und populistischer Demagogie vermarktet. Das ist die bequeme Fiktion zweier Fraktionen derselben herrschenden Ordnung. Tatsächlich streiten hier nicht die Beherrschten mit den Herrschenden, sondern Vertreter unterschiedlicher Apparate um die Verfügung über Wahrheit, Ressourcen und öffentliche Legitimität: auf der einen Seite die wissenschaftlich-administrative Expertokratie samt Gesundheitsbürokratie und Sicherheitsstaat, auf der anderen Seite eine parlamentarische Rechte, die berechtigte Fragen nach institutioneller Verantwortung in personalisierte Straflust verwandelt.
Rand Pauls Inszenierung Faucis als eines einzelnen, allmächtigen Schuldigen ist politisch unerquicklich. Sie individualisiert, was strukturell ist. Eine Pandemie mit Millionen Opfern ist nicht das Werk eines einzelnen Immunologen, sondern Ausdruck einer globalen Ordnung, die Gesundheitsvorsorge dem Profit, Forschung geopolitischer Konkurrenz und internationale Kooperation nationalstaatlicher Macht unterordnet. Wer Fauci einsperren will, ohne die Eigentumsverhältnisse der Pharmaindustrie, die Unterfinanzierung öffentlicher Gesundheitssysteme, die Patentregime und die ungleiche globale Verteilung von Impfstoffen anzutasten, sucht keinen gesellschaftlichen Aufschluss, sondern ein spektakuläres Opfer.
Doch daraus folgt keineswegs, Fauci oder die von ihm repräsentierten Institutionen von jeder Kritik freizusprechen. Wissenschaftliche Expertise ist unverzichtbar; sie ist aber nicht mit demokratischer Unfehlbarkeit identisch. Gerade dort, wo Forschung staatlich finanziert, militärisch flankiert und durch private Interessen mitbestimmt wird, muss öffentliche Rechenschaft möglich sein. Die Laborhypothese darf weder zum Fetisch rechter Kampagnen noch zum Tabu eines administrativen Establishments werden. Ungewissheit ist kein Skandal. Skandalös ist vielmehr, wenn Institutionen ihre eigene Autorität durch kommunikative Geschlossenheit absichern, statt Widersprüche, Interessenkonflikte und Grenzen des Wissens offen zu legen.
Auch eine präventive Begnadigung ist kein Beweis individueller Schuld; sie belegt zunächst nur, wie tief die Justiz inzwischen in den Kampf konkurrierender Eliten hineingezogen worden ist. Ebenso ist Faucis Aussageverweigerung nicht schlicht Feigheit: Persönliche Einschüchterung und politische Hetze sind reale Gefahren. Aber der Verweis auf diese Gefahr darf nicht zum Freibrief werden, staatliche Gesundheitsapparate der demokratischen Kontrolle zu entziehen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Fauci oder Paul moralisch gewinnt. Während beide Lager um Akten, Tagebücher und Deutungen ringen, tragen Pflegekräfte, prekär Beschäftigte, Migrantinnen und Migranten sowie die Armen die materiellen Folgen der Krise: Krankheit, Einkommensverlust, schlechte Versorgung und Tod. Der Kapitalismus verwaltet diese Opfer anschließend als Statistik und verwandelt kollektive Not in neue Märkte, Patente und politische Loyalitäten.
Eine emanzipatorische Antwort müsste deshalb weder der rechten Sündenbockpolitik noch dem Kult technokratischer Autorität folgen. Sie müsste Gesundheit als soziales Recht organisieren, Forschung aus Profit- und Sicherheitslogiken lösen und die Kontrolle über jene Institutionen demokratisieren, die heute im Namen der Öffentlichkeit handeln, ohne ihr tatsächlich zu gehören. Erst dann würde aus dem Streit um Fauci mehr als ein Schauspiel innerhalb der Eliten.
› DeframingReframings
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