Republikaner veröffentlichen Faucis Tagebücher
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FAZ
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Analyse zu: Artikel von Sofia Dreisbach auf faz.net |
Rechenschaft ist keine Schikane
In einer Republik ist niemand so erhaben, dass er dem gewählten Parlament keine Auskunft mehr schulde. Schon gar nicht ein Mann, der in einer nationalen Notlage über Jahre hinweg außergewöhnlichen Einfluss auf staatliche Entscheidungen, öffentliche Kommunikation und das Leben von Millionen Bürgern ausübte. Amt, akademischer Titel und die Aura des Experten mögen Respekt begründen; sie begründen jedoch keine Immunität gegenüber Kontrolle. Im Gegenteil: Je größer die übertragene Macht, desto strenger die Pflicht zur Rechenschaft.
Anthony Fauci mag persönlichen Angriffen ausgesetzt gewesen sein, die jeder anständige Mensch ablehnen muss. Drohungen und rohe Verunglimpfungen sind kein Ersatz für politische Kritik. Doch zwischen ungebührlicher Hetze und einer entschlossenen parlamentarischen Untersuchung besteht ein Unterschied, den ein freiheitlicher Rechtsstaat kennen sollte. Wer jede harte Befragung als Verfolgung darstellt, verwechselt die Würde des Amtes mit der Unantastbarkeit seiner Person.
Die Frage nach dem Ursprung der Pandemie darf nicht länger in das unerquicklich bequeme Schema „wissenschaftlich“ gegen „politisch“ gezwängt werden. Die Laborhypothese ist nicht dadurch widerlegt, dass sie von missliebigen Politikern vertreten wird; ebenso wenig wird sie dadurch bewiesen. Sie verlangt eine nüchterne Prüfung der Fakten: der Forschungspraxis, der internationalen Kooperationen, der Finanzierung durch staatliche Stellen und der Kommunikation jener Behörden, die das Vertrauen der Bevölkerung beanspruchten. Gerade dort, wo mit gefährlichen Erregern gearbeitet wird, ist Vorsicht keine Paranoia, sondern Pflicht.
Auch die Veröffentlichung privater Tagebücher ist kein Ausweis guter republikanischer Sitte. Sie kann unerquicklich voyeuristisch und politisch theatralisch wirken. Doch der Stil eines Ausschussvorsitzenden entbindet den Gegenstand nicht von seiner Bedeutung. Entscheidend ist nicht, ob einzelne Notizen Fauci eitel, gekränkt oder selbstgefällig erscheinen lassen; entscheidend ist, ob öffentliche Verantwortung sauber wahrgenommen, mögliche Interessenkonflikte offengelegt und Risiken ehrlich benannt wurden.
Eine präventive Begnadigung ist selbstverständlich kein Schuldeingeständnis. Das Recht kennt keine Schuld durch bloßen Verdacht. Aber sie kann auch nicht als Zauberformel dienen, mit der das öffentliche Interesse an Aufklärung erledigt wäre. Im Gegenteil: Wenn ein so hoher Beamter vor möglichen späteren Verfahren geschützt wird, dann schuldet der Staat seinen Bürgern erst recht eine vollständige, überprüfbare Darstellung dessen, was geschehen ist.
„Macht verlangt Kontrolle“, lautet eine schlichte republikanische Wahrheit. Sie gilt für Präsidenten, Senatoren, Generäle und Gelehrte gleichermaßen. Wer das Vertrauen eines Volkes verwaltet hat, darf sich nicht hinter persönlicher Kränkung, institutionellem Prestige oder politischer Lagerzugehörigkeit verschanzen. Rechenschaft ist keine Demütigung – sie ist der Preis der Verantwortung.
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